Heiliges Jahr 2025
Quelle: Vatican

Adventliche Menschen – nach dem Vorbild unserer ältesten Geschwister

Klar, wer nach Rom pilgert, wird den Besuch auf dem Petersplatz und im Petersdom als Höhepunkt der Wallfahrt erleben … Und natürlich war auch auf meiner jüngsten Rom-Reise vor wenigen Wochen der – in einer unglaublich langen Menschenschlange geduldig erwartete – Einzug in die imposante Peters Basilika ein berührender Moment. Noch dazu, weil unsere 40-köpfige Pilgergruppe das berühmteste Gotteshaus der katholischen Kirche durch die «Heilige Pforte» betreten durfte – zusammen mit vielen anderen «Pilgern der Hoffnung» aus der ganzen Welt!

Aber zu meinem eigenen Erstaunen bleiben mir diesmal nicht die beiden Besuche im Petersdom als eigentliche «Wallfahrtshöhepunkte» in Erinnerung – sondern unser Gang in der Calixtus-Katakombe! Bevor wir in die unterirdische Gräberstadt hinabgestiegen sind, durften wir in einer Kapelle am Eingang zur Katakombe einen ebenso schlichten wie feierlichen Gottesdienst zum Hochfest Allerheiligen feiern. Das Gedenken aller Heiligen und die Erinnerung an unsere geliebten Verstorbenen bekamen in unmittelbarer Nähe zu einer Begräbnisstätte der frühestens Christengemeinden eine ganz besondere Innigkeit und Tiefe.

Bei der anschliessenden Führung durch einen kurzen Abschnitt der rund 20 Kilometer langen, engen, hohen, dunklen Gänge der Nekropole, in deren 370'000 Wandgräbern wohl über eine Million Christinnen und Christen der ersten Jahrhunderte ihre letzte Ruhe gefunden haben, fühlte ich mich innig verbunden mit unseren ältesten Glaubensgeschwistern. Lange bevor der christliche Glaube im römischen Reich respektiert und offiziell anerkannt wurde, haben die Gläubigen der römischen Christengemeinden auf ihren unterirdischen Friedhöfen dem Glauben an Erlösung und Auferstehung Ausdruck verliehen: Eingravierte Symbole und bunte Fresken zeugen von der Auferstehungshoffnung der ersten Christen.

Über fast zwei Jahrtausende hinweg lädt uns dieser besondere Erinnerungsort ein, uns selbst immer wieder und immer neu auf die christliche Verheissung von Wiederkunft und Ewigkeit einzulassen – und damit im Hier und Heute zu Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung, zu wirklich erwartungsfrohen, wahrhaft «adventlichen» Menschen zu werden. Von Herzen wünsche ich uns allen einen segensreichen, hoffnungsvollen Advent!

Boris Schlüssel, Kaplan